Blake Day


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Der Nebel

(Berlin, 2./3. Januar 2016)

Der Nebel, er ist noch immer da,

umhüllt wortlos das, was wir nie sagten.

Dein Blick, er schimmert immer noch

mit Glanz hindurch aus dem Auge des Sturms.

Der Nebel zwängt sich grollend durch die Massen,

bis ans Ende. Doch du bist nicht dabei.

Ich drücke deine Hand, doch sie greift ins Leere.

Deine Spur verwischt, wie zerrinnendes Eis.

Ja, Mutter, alles hat seinen Preis

und nichts ist hier umsonst.

Wer zum Schrei ansetzt, wird Heiserkeit ernten,

und wer flüstert, wird überhört.

Ich habe mir ein Haus gebaut,

hoch oben in den Fängen des Nebels.

Der Ausblick ist vom Allerfeinsten,

knapp zwei Meter, direkt in dein Gesicht.

In meinem Tränenpalast ist es recht gemütlich.

Ich nehme an keiner Schlacht mehr teil.

Doch der Drang nach Blut und großen Taten

sitzt tief und macht‘s dem Maulwurf gleich.

Die Delle von dir in meiner Couch

ist noch immer tief und rund.

Der Hauch deiner Lippen

legt sich noch immer schleierhaft um meinen Mund.

Die Welt um den Nebel, ich höre sie

von draußen wie ein Säugling schreien.

Der Schnuller längst verloren, verdreckt, zerstampft.

Der Daumen abgenagt.

Fortuna steht am Straßenrand und grinst.

Durch ihre Maske fließen Tränen.

Ihre prallen Lippen kreisen um die spitze Zunge,

umgeben von faul-blutigen Zähnen.

Der Platz am Fenster, gleich neben dem Raben,

er ist mir so lieb geworden.

Ich warte jede Nacht auf den nächsten Morgen.

Darauf, dass du nicht mehr vorbeikommst.


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